Gesundheit

Die Frauengesundheit benötigt spezielle Diagnostizierungs- und Therapiemethoden. Oft fällt der Arztbesuch für eine Frau jedoch nicht aufklärend genug und eher frustrierend aus. Das weibliche Geschlecht benötigt im Durchschnitt drei Mal mehr Untersuchungen als männliche Patienten. Paradoxerweise ist die Tatsache, dass der regelmäßige Gang zum Arzt die Frauen nicht gesünder macht. Obwohl Frauen öfter mit Medikamenten therapiert werden, gewissenhaft und penibel die Empfehlungen der Ärzte befolgen und zahlreiche Vorsorgeuntersuchungen einhalten, können sie nur bedingt einen verbesserten Gesundheitszustand genießen. Falsche Diagnosen, unangebrachte Therapien und zahlreiche Vorurteile (wie zum Beispiel, dass Frauen bei jedem kleinen Schmerz einen Arzt aufsuchen) erschweren die medizinische Versorgung des weiblichen Geschlechts. Da die Medizin oft bei Männer getestet wird und eher aufs starke Geschlecht abgestimmt ist, wird die Tatsache, dass Frauen andere medizinische Bedürfnisse haben, meistens außer Acht gelassen.

Besonderheiten der weiblichen Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert eine durch Selbstverwirklichung, Partizipation und Verfügung über die eigenen Lebensumstände gekennzeichnete Lebenswelt als beste Voraussetzung für Gesundheit. Aus diesem Grund behandelt auch die Gesundheitspolitik für Frauen vorrangig die Verbesserung der Lebenssituation, sowie auch schwerwiegende Themen wie die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen, um nachhaltige Verbesserung der Gesundheitssituation zu erreichen. Die Medizin schafft keineswegs ein weltneutrales Gesellschaftsbild über Frauenkörper und –gesundheit. Dieses Gesellschaftsbild ist viel mehr durch traditionelle Frauenbilder und Rollenzuweisungen geprägt, die eine Vielzahl an Erwartungen, Anforderungen und Konflikten nach sich ziehen. Sehr oft wird das weibliche Geschlecht als schwach, labil und ungesund dargestellt. Und in der Tat leiden Frauen öfter unter gesundheitlichen Problemen als Männer, besuchen öfter den Arzt und empfinden häufiger Befindlichkeitsstörungen. Zu den Hauptgründen für die unterschiedlichen gesundheitlichen Bedürfnisse und Empfindungen der Frauen gehören unter anderem die weibliche Sichtweise und das besondere Empfinden für Gesundheit und Krankheit sowie auch die natürlichen, fraueneigenen Körperfunktionen wie Menstruation, Wechseljahre, Schwangerschaft und Geburt, die immer mehr pathologisiert, medikalisiert und kontrolliert werden. Außerdem lassen Frauen viel leichter Sensibilität für Körperempfindungen zu als Männer. Das weibliche Geschlecht zeigt sich viel offener für Körpersignale und nimmt diese viel ernster an. Diese Veranlagung stellt die Chance für die Frauengesundheit dar. Laut wissenschaftlicher Studien unterscheiden sich Männer und Frauen eindeutig in Hinsicht auf Gesundheitsbewusstsein und -befinden, auf Krankheitsspektrum und –bewältigung sowie hinsichtlich ihres Gesundheitsverhaltens. Medikamente zeigen ebenfalls unterschiedliche Auswirkungen auf den weiblichen und männlichen Organismus. Diverse Medikamente müssen demzufolge bei Frauen anders dosiert werden als bei Männern. Nebenwirkungen und ihre Intensität sind ebenfalls geschlechtsspezifisch zu berücksichtigen. Typisch ist die Unterscheidung zwischen weiblichen Krankheiten wie Magersucht und männlichen Erkrankungen wie Herzleiden. Öfter wird jedoch nicht berücksichtigt, dass Frauen und Männer bei den gleichen Krankheiten unterschiedliche Symptome zeigen, so dass die Erkrankung je nach Geschlecht anders verläuft und manchmal unerkannt bleibt. In Hinsicht auf Gesundheitszustand und –verhalten bilden Frauen und Männer keine homogene Gruppe darstellen und Faktoren wie zum Beispiel Gesundheitsvorsorge und -maßnahmen in Abhängigkeit von anderen sozioökonomischen Variablen wie z.B. Bildungs- oder Migrationhintergrund, Schicht und Lebensform stehen. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind seit langer Zeit auch Gegenstand der Wissenschaft. Die sogenannte Gender-Forschung (Geschlechtsforschung) befasst sich unter anderem auch mit den Geschlechterdifferenzen und hat in Hinsicht auf sozialer Ungleichheit den Begriff „Gender-Mainstreaming“ durchgesetzt. An dieser Bezeichnung ist die Vorstellung geknüpft, dass Frauen und Männer im Hinblick auf Verhaltensweisen und Wahrnehmungen Unterschiede zeigen. Die Bedeutung dieser Feststellung besteht darin, dass Maßnahmen auch in der Gesundheitssphäre diese Unterschiede aufgreifen und geschlechtsspezifisch umsetzen müssten. Auf diese Weise kann man adäquat Gesundheitsstatus und Gesundheitsrisiken von Männern und Frauen feststellen und analysieren.  In der Tat weisen Frauen eine längere Lebensdauer als Männer auf. Beim weiblichen Geschlecht beträgt die Lebenserwartung in der Bundesrepublik 81 Jahre, bei den Männern dagegen liegt der Durchschnitt bei 75 Jahren. Der gesundheitliche Zustand und die Empfindung für Krankheit sind sowohl von objektiven Faktoren, als auch von subjektiven, geschlechtsspezifischen Bewertungen abhängig. In der Regel erkranken Frauen öfter als Männer. Männer sind zudem zufriedener mit ihrer Gesundheit und bewerten ihren Gesundheitszustand durchschnittlich besser. Das männliche Geschlecht erleidet jedoch häufiger Unfälle, vor allem im Beruf. Die Unfallrate bei Frauen nimmt im Alter zu, während bei Männern die Häufigkeit der Unfälle mit steigendem Lebensalter abnimmt. Im Durchschnitt sind 55 Prozent der Patienten in Krankenhäusern Frauen. Das männliche Geschlecht tendiert im Alter vermehrt zu Übergewicht, junge Frauen erkranken dagegen doppelt so oft an Essenstörungen wie Magersucht und Bulimie. Frauen sind öfter abhängig von Medikamenten, Männer konsumieren dagegen vermehrt Zigaretten und Alkohol. Solche Forschungsdaten in der Gesundheitsvorsorge aktiv mit einbezogen werden, um für beide Geschlechter passende Maßnahmen zu ergreifen. Bei zukünftigen wissenschaftlichen Untersuchungen und in der Arzneimittelentwicklung müssen Geschlechtsunterschiede berücksichtigt werden, um für Frauen bessere gesundheitliche Perspektiven bieten zu können. Das weibliche Geschlecht hat ja zum Teil vollkommen andere Bedürfnisse als Männer und es gilt diese Bedürfnisse nicht zu missachten.